1.300 Euro Steuererstattung pro Erklärung – Wieso solche Versprechen unseriös sind

Du kennst das vielleicht. Viele Websites werben damit, dass man die eigene Steuererklärung mithilfe eines Steuerprogrammes oder eines Newsletters, der von der entsprechenden Seite stammt, zu erstellen.

Dabei wird nur zu gerne eine sinngemäß Versprechung wie ‚Erstelle Deine Steuererklärung hier bei uns mit (Programm) xyz und Du erhältst mindestens 1.300 Euro Steuererstattung!‘ verwendet. Diese Zahl in unserem Kopf und unsere von Natur aus gegebene Gier kann dann an dieser Stelle das Hirn fressen und so schlagen wir zu.

Hier handelt es sich natürlich nur um eine Strategie, um das Produkt zu vermarkten. Ich sage nicht, dass diese Programme schlecht sind; bei vielen dieser Programme sind auch tatsächlich wertvolle Tipps enthalten, um ein steuerlich günstigeres Ergebnis völlig legal zu erzielen. Es ist jedoch unmöglich, pauschal zu behaupten, dass bei jeder einzelnen Steuererklärung eine Steuererstattung von 1.300 Euro geschweige denn überhaupt eine Steuererstattung rauskommt.

Fragen wir uns doch einmal:

Wie kommt eine Steuererstattung überhaupt zustande?

Grob gerechnet wird bei der Steuererklärung:

Tarifliche Einkommensteuer lt. Steuererklärung
– Steuervorauszahlungen
– unterjährig gezahlte Lohnsteuer
– unterjährig gezahlte Kapitalertragsteuer.

Daraus können wir schon zwei Dinge vorab entnehmen:

1) Es müssen unterjährig bereits Steuern gezahlt worden sein. Dies ist der Fall bei Arbeitnehmern, Steuerpflichtigen, die aufgrund eines Einkommensteuer-Vorauszahlungsbescheides entsprechende Steuervorauszahlungen leisten oder Steuerpflichtigen, die aufgrund von Kapitalerträgen bereits vorab Kapitalertragsteuer an die Bank abgeführt haben. Liegt keiner dieser Fälle vor, ist maximal der Gesamtbetrag der Einkünfte 0 oder negativ. In diesem Falle entstehen keine Steuern. Auch der Glaube, dass eine Steuererstattung entsteht, wenn die Summe der Einkünfte oder Gesamtbetrag der Einkünfte negativ ist, ist ein Trugschluss. Es entsteht lediglich ein sogenannter Verlustabzugsbetrag, der in anderen Steuerjahren ausgeglichen wird.

2) Es müssen mindestens 1.300 Euro Steuern unterjährig gezahlt worden sein. An dieser Stelle sollte jedem Geringverdiener klar sein, dass die Summe 1.300 Euro völlig aus der Luft gegriffen ist und nicht erreicht werden kann.

Wie entsteht eine Steuererstattung?

Hierzu verweise ich auf das oben unter 1) aufgeführte Berechnungsschema. Aus diesem Schema ergibt sich, dass die tarifliche Einkommensteuer möglichst gering sein muss, damit eine möglichst hohe Steuererstattung erzielt wird.

Die tarifliche Einkommensteuer ist salopp gesagt alles, was an Einkünften erzielt wurde abzüglich Werbungskosten / Betriebsausgaben, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und diverse Freibeträge. Je höher also deine Werbungskosten etc. sind, desto höher Deine Erstattung bzw. niedriger Deine Nachzahlung.

Jeder Fall ist unterschiedlich

Jede Einkommensteuererklärung spiegelt die persönlichen Einkommenverhältnisse des jeweiligen Steuerpflichtigen wider. Es ergibt sich daraus, dass jeder Steuerpflichtige unterschiedlich viel verdient, unterschiedlich viele Steuern unterjährig zahlt und unterschiedlich viele abzugsfähige Kosten hat.

Man kann also nicht pauschal versprechen, dass jeder Steuerpflichtige eine Steuererstattung erhält.

Daher mein Slogan:

Steuern für Ratlose – Steuern verstehen. Steuern sparen. 🙂

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