Abfindung erhalten! Muss ich jetzt nachzahlen?

In der heutigen Zeit wo Unternehmenskrisen immer häufiger auftreten und generell die Fluktuation in diversen Branchen zugenommen hat haben selbst langjährige Mitarbeiter nicht mehr unbedingt eine Jobgarantie. Die Unternehmen müssen betriebsbedingte Kündigungen aussprechen und bieten den Angestellten dafür eine hohe Abfindung an.
So kann man sich im beiderseitigen Vernehmen friedlich trennen und der Angestellte hat finanziell zunächst Sicherheit. Zumindest zunächst. Denn wie so oft möchte das Finanzamt auch seinen Anteil. Dies kann unvorhergesehene Konsequenzen haben. Welche dies sind und welche steuerlichen Möglichkeiten bei dem Erhalt einer Abfindung bestehen, erfährst Du in diesem Artikel.

 

Was ist eine Abfindung?

Die Abfindung ist eine außerordentliche Einmalzahlung. Der Arbeitgeber zahlt bzw. vereinbart mit seinem bis dahin loyalen Arbeitnehmer eine Abfindung, wenn der Dienstherr sich schweren Herzens für die Kündigung des bestehenden Arbeitsverhältnisses entscheiden muss. Dadurch wird der Arbeitnehmer entschädigt und zieht auch regelmäßig nicht in Erwägung, Rechtsschritte gegen seinen Arbeitgeber einzuleiten. Es besteht jedoch seitens des Angestellten kein rechtlicher Anspruch auf die Abfindung. Sie ist eine vom Arbeitgeber frei gewährte Leistung.

 

Einkommensteuerrechtliche Qualifizierung

Die Abfindung wird aufgrund der Aufhebung eines Angestelltenverhältnisses gezahlt. Damit handelt es sich um Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit. Sie ist als steuerpflichtiger Arbeitslohn zu qualifizieren. Insoweit ist die Abfindung ebenso wie der Bruttoarbeitslohn auf der Anlage N der Einkommensteuererklärung einzutragen. Die Abfindung wird auf der jährlichen Lohnsteuerbescheinigung gesondert in der Zeile 9 bzw. 10 ausgewiesen. Die auf die Abfindung entfallende Lohnsteuer und der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer werden in den Zeilen 11 bis 13 gezeigt.

Für die Würdigung in der Einkommensteuererklärung bestehen nun zwei Möglichkeiten:

  1. Laufende „normale“ Versteuerung
  2. Fünftelregelung

Laufende Versteuerung meint hier, dass die Abfindung als Bruttoarbeitslohn in der Einkommensteuererklärung behandelt wird und die üblichen Werbungskosten etc. in Abzug gebracht werden. Hierzu brauchst Du lediglich Deine Lohnsteuerbescheinigung Position für Position abtippen. Dann hast Du sie bereits richtig erfasst.

Die zweite Möglichkeit, die sog. Fünftelsregelung, kann jedoch steuerlich attraktiver sein.

 

Fünftelregelung

Die Fünftelregelung klingt spannender als sie eigentlich ist.
Im ersten Schritt wird ein Fünftel auf die gesamte Abfindung rechnerisch ermittelt. Dieses Fünftel fließt nun in das zu versteuernde Einkommen; genauer gesagt wird dieses Fünftel Bestandteil der Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit.

Nun wird eine Vergleichsberechnung durchgeführt. Zum einen wird die Steuer auf das zu versteuernde Einkommen inklusive des Fünftels und zum anderen die Steuer exklusive des Fünftels berechnet. Sodann ist der fünffache Betrag aus der steuerliche Abweichung, die sich ergibt, zu ermitteln.

Warum dies günstiger sein kann als die laufende Besteuerung, kann durch die Steuerprogression begründet werden. Das Deutsche Einkommensteuergesetz sieht für den Steuertarif eine linear-progressive Erhöhung vor. Das bedeutet grundsätzlich, dass mehr Steuern zu zahlen sind, je höher das zu versteuernde Einkommen ist. Doch der Anstieg des Steuersatzes verläuft dabei überproportional. Wenn man nun die Steuer auf das Fünftel verfünffacht, ergibt sich infolge dessen ein geringerer Steuerbetrag als wenn man die komplette Abfindung in einer Summe besteuert.

 

Du glaubst mir nicht? Hokuspokus?! Ein Beispiel:

Der ratlose und nun arbeitslose S (ledig, keine Kinder) hat Jahrelang als Bürokaufmann gearbeitet und nun eine Abfindung in Höhe von 20.000 Euro von seinem Arbeitgeber erhalten. Im selben Jahr hat er Bruttoarbeitslohn in Höhe von ebenfalls 20.000 Euro verdient. Insgesamt hat er damit 40.000 Euro erzielt.

Hinweis: in diesem Beispiel bleiben jegliche Werbungskosten, Sonderausgaben etc. unberücksichtigt.

 

Laufende Besteuerung im Jahre 2018

Es ergibt sich ein zu versteuerndes Einkommen von 40.000 Euro.
Aus der Einkommensteuer-Grundtabelle 2018 ergibt sich ein Einkommensteuerbetrag in Höhe von 8.668 Euro.

 

Besteuerung nach der Fünftelregelung

Die Abfindung ist durch fünf zu teilen; dies ergibt 20.000 Euro / 5 = 4.000 Euro.
Das zu versteuernde Einkommen inklusive liegt nun mit dem Fünftel bei 24.000 Euro und ohne bei insgesamt 20.000 Euro. Auf die 24.000 Euro entfallen 3.559 Euro und auf die 20.000 Euro 2.461 Euro Einkommensteuer.

Die Differenz in Höhe von 3.559 – 2.461 = 1.098 Euro wird nun verfünffacht. Die Gesamtsteuerbelastung beträgt damit nun 7.951 Euro. Dieser Betrag ergibt sich aus den 2.461 Euro, die durch den Bruttoarbeitslohn anfallen, und der Besteuerung der Abfindung in Höhe von 5.490 Euro (1.098 * 5).

 

Der Vergleich

Es ergibt sich durch die Fünftelregelung eine Steuerersparnis in Höhe von satten 717 Euro! Betrachtet man nun, dass noch Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer hinzukommen, erspart diese Möglichkeit über 800 Euro Steuern!

 

Wo ist nun der Haken?

Wie so oft im Steuerrecht müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Diese sind:

  • Zusammenballung von Einkünften:
    Die Zusammenballung bedeutet, dass der Arbeitnehmer mithilfe der Abfindung für das betrachtete Kalenderjahr insgesamt mehr Einkünfte erzielt hat als er hätte durch das laufende Arbeitsverhältnis erwirtschaften können.
  • Zahlung in einem Veranlagungszeitraum:
    Erfolgt die Zahlung der Abfindung in Teilzahlungen und erstrecken sich diese auf zwei Veranlagungszeiträume (Jahre), so können die Begünstigungen ebenfalls nicht erfolgen.

 

Fazit:

Der weit verbreitete Irrtum, Abfindungen seien nicht zu versteuern, stimmt so nicht. Durch die Fünftelregelung besteht glücklicherweise für die Steuerpflichtigen ein Instrument, mithilfe dessen man legal und relativ simpel Steuern sparen kann.

Des Weiteren sind Abfindungen sozialversicherungsrechtlich umbeachtlich. Somit entfallen immerhin die ca. 20 % Sozialversicherungsbelastung.

Wenn Du Dir dennoch unsicher bist, ob Du alles mit der Abfindung richtig gemacht hast, ersuche einen kompetenten Steuerberater.

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