Steuern in der Ausbildung? Alles Wichtige für Azubis

Steuern in der Ausbildung zahlen? Nicht schlimm!

Wenn Du in einer Ausbildung bist, verdienst Du üblicherweise Dein erstes eigenes Geld. Damit bist du sowohl steuerlich als auch steuerrechtlich einem normalen Angestellten gleichgestellt.
Inwieweit Steuern auf Dein Ausbildungsverhältnis anfallen und wie Du Steuern sparen kannst, wird in diesem Blogartikel thematisiert.

 

Wann Steuern in der Ausbildung anfallen

Grundsätzlich ist jeder Angestellte verpflichtet, Steuern zu zahlen, sofern der Grundfreibetrag überschritten wird. Dieser beträgt im Jahre 2018 insgesamt 9.000 Euro. Folglich sind keine Steuern zu zahlen, wenn Du unter diesem Grundfreibetrag mit Deinem Jahresbruttogehalt bleibst, umgerechnet ein monatlicher Lohn von 750 Euro.

Hast Du nun mehr als 9.000 Euro im Jahr verdient, fallen neben der Lohnsteuer auch Solidaritätszuschlag und bei einer Religionszugehörigkeit auch Kirchensteuer an. Der Solidaritätszuschlag beträgt 5,5 % der Lohnsteuer und die Kirchensteuer 8-9 % (je nach Bundesland!) der Lohnsteuer.

Wie hoch die Lohnsteuer ausfällt, hängt von der Wahl der Lohnsteuerklasse ab.

Eine Besonderheit gibt es beim Solidaritätszuschlag. So fällt dieser erst an, wenn die jährliche Lohnsteuer mindestens 972 Euro beträgt. Diese Summe entsteht erst, wenn Du in der Ausbildung (Lohnsteuerklasse I bzw. IV) mindestens 16.900 Euro pro Jahr (ca. 1.410 Euro pro Monat) verdienst. Jedoch fallen in solchen Grenzfällen weniger als 5,5 % Belastung durch Solidaritätszuschlag an.

 

Lohnsteuerklassen in der Ausbildung

Ein Auszubildender hat die gleichen Wahlrechte über seine Lohnsteuerklasse wie ein ausgelernter Arbeitnehmer auch. Diese hängen in erster Linie vom Familienstand ab. Es gibt aktuell (Stand 2018) sechs Lohnsteuerklassen. Diese sind nachstehend aufgeführt:

SteuerklasseFamilienstandLohnsteuer
Iledig & kinderlos bzw. mit Kind für das kein Sorgerecht bestehtab ca. 950 Euro/Monat
IIalleinerziehend bzw. geschieden mit Kindab ca. 1070 Euro/Monat
IIIverheiratetab ca. 1780 Euro/Monat
IVverheiratetab ca. 950 Euro/Monat
Vverheiratetab ca. 100 Euro/Monat
VIledig/verheiratet, mit Nebenjob (über 450 Euro)Ausbildungsgehalt: wie Steuerklasse I
Nebenjob: höchste Lohnsteuerbelastung

Die Lohnsteuer fällt in der Steuerklassen I und IV erst dann an, wenn Du mehr als 945 Euro pro Monat verdienst. Dies sind umgerechnet pro Jahr 11.340 Euro. Bei Lohnsteuerklasse II liegt die Grenze bei einem Monatsgehalt von 1.077 Euro. Wählt man als Ehepaar die Kombination III und V so fällt Lohnsteuer beim Besserverdienenden, der die III wählen sollte, ab 1.788 Euro an und beim Schlachterverdienenden, der sodann die V wählt, ab 105 Euro an. Die Summe ergibt 1.893 Euro und entspricht in etwa dem Doppelten des Betrages, der bei Steuerklasse I und IV vorgesehen ist. Dies ist schlüssig, da es sich um zwei Personen handelt. Der Nebenjob, der nach Lohnsteuerklasse VI abgerechnet wird, wird komplett der Lohnsteuer unterworfen. Eine Grenze ist nicht vorgesehen.

Diese Beträge lassen sich durch die Lohnsteuerabzugsmerkmale begründen, z. B. Kinderfreibetrag bei Alleinerziehenden oder auch der generelle Abzug des Arbeitnehmer-Pauschbetrages.

Es kann auch Lohnsteuer anfallen, wenn Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld sowie ein 13. Gehalt gezahlt werden. Sie werden dem jährlichen Bruttoverdienst hinzugerechnet.

 

Wechsel der Steuerklasse

Auch hier ist der Auszubildende gleichberechtigt. Grundsätzlich ist unterjährig ein Wechsel der Lohnsteuerklasse möglich. Dieser muss beim zuständigen Finanzamt bis zum 30. November beantragt werden. Hierzu gibt es gesonderte Formulare, welche Du nachstehend herunterladen kannst:

Antrag auf Wechsel der Lohnsteuerklasse bei Ehegatten: Steuerklasse III – V

Antrag auf Wechsel der Lohnsteuerklasse bei Alleinerziehenden: Steuerklasse II

Man kann jährlich nur einmal die Lohnsteuerklasse wechseln. Natürlich müssen auch die notwendigen Voraussetzungen, z. B. das Bestehen einer Ehe für Lohnsteuerklasse III – V, vorliegen.

 

Sozialversicherungsbeiträge in der Ausbildung

Als Auszubildender bist Du auch sozialversicherungspflichtig. Die Sozialversicherungsbeiträge fallen jedoch erst dann für Dich an, wenn Du mehr als 325 Euro Ausbildungsvergütung pro Monat bekommst. Wenn Du unter diesem Betrag regelmäßig monatlich liegst, übernimmt Dein Arbeitgeber Deine Sozialversicherungsbeiträge.

Die Sozialversicherungspflicht besteht in der Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Die Gesamtbelastung beträgt ca. 20 % für den Arbeitnehmer sowie den Arbeitgeber. Aktuell setzt sich dieser Betrag wie folgt zusammen:

VersicherungszweigArbeitnehmerArbeitgeber
Krankenversicherung7,3 % + krankenkassenindividueller Zusatzbeitrag7,3 %
Pflegeversicherung 1,275 %
-Erhöhung um 0,25 %, wenn keine Kinder und mind. 23 Jahre alt
-Erhöhung um 0,5 %, wenn in Sachsen lebend
1,275 %
-Verringerung um 0,5 %, wenn Arbeitnehmer in Sachsen lebend
Arbeitslosenversicherung1,5 %1,5 %
Rentenversicherung9,3 %9,3 %

Um in den gesetzlichen Sozialversicherungszweigen versichert zu sein, musst Du Dir eine gesetzliche Krankenkasse (z. B. TKK, Barmer) aussuchen. Je nach Krankenkasse fällt ein individueller Zusatzbeitrag an, der auch oftmals mehr als 1,0 % beträgt. Hierzu solltest Du die Leistungen und Zusatzbeiträge vergleichen.

Das Nettogehalt, das Dir als Auszubildender übrig bleibt, ist Dein Bruttogehalt abzüglich Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer und den Sozialabgaben.

 

Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung

Wenn Du Lohnsteuer in der Ausbildung zahlst und keine weitere Beschäftigung hast, besteht keine Pflicht zur Abgabe.
Zahlst Du keine Lohnsteuer oder gehst Du noch weiteren Tätigkeiten nach, ist die Pflicht an den zuvor beschriebenen Grundfreibetrag (2018: 9.000 Euro) geknüpft.

Die Abgabe einer Steuererklärung bedeutet aber nicht immer eine Nachzahlung. Der Steuerbetrag, der aus der Erklärung resultiert, wird um die unterjährig gezahlte Lohnsteuer vermindert. Wenn der gezahlte Betrag höher ist, kommt es zu einer Steuererstattung und Du bekommst Geld zurück.

Dies ist dann der Fall, wenn Du hohe Werbungskosten (höher als 1.000 Euro) hast oder Du nach Abzug aller Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und sonstigen Abzügen unterhalb des Grundfreibetrages landest. Es fällt sodann keine Einkommensteuer an und die Lohnsteuer wird dennoch abgezogen. So kannst Du den vollen Betrag an Lohnsteuer zurückbekommen.

Wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte negativ ist, erzeugst Du einen Verlust, den Du in Folgejahren mit positiven Einkünften verrechnen kannst. Dies ist der Fall, wenn Deine Werbungskosten höher als Dein Einkommen sind (z. B. durch hohe Studiengebühren).

Was alles an Werbungskosten anfallen kann, erfährst Du in folgendem Video:

 

Fazit:

Auch in der Ausbildung musst Du Lohnsteuer und Sozialabgaben leisten, wenn Du bestimmte Grenzen überschreitest. Doch durch einen Wechsel der Lohnsteuerklasse oder der Abgabe einer Steuererklärung kannst Du durchaus Steuern sparen.

Für die Erstellung der Steuererklärung kann es sinnvoll sein, einen Steuerberater zu beauftragen..

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