Steuern sparen für Alleinerziehende

In der heutigen Zeit ist etwa jede fünfte Mutter alleinerziehend. Dies belegt das Bundesamt für Statistiken. Dass Alleinerziehende wirtschaftlich benachteiligt sind gegenüber gemeinsam lebenden Elternpaaren, liegt klar auf der Hand. Aus diesem Grunde sieht das Einkommensteuergesetz (EStG im Folgenden) Möglichkeiten vor, wie dieser wirtschaftliche Nachteil durch Steuerersparnisse angeglichen werden soll.

 

Wer gilt als Alleinerziehende?

Diese Frage hat sich bereits der Gesetzgeber gestellt und eine Antwort in § 24b Abs. 3 EStG verfasst:

Allein stehend im Sinne des Absatzes 1 sind Steuerpflichtige, die nicht die Voraussetzungen für die Anwendung des Splitting-Verfahrens (§ 26 Absatz 1) erfüllen oder verwitwet sind und keine Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen volljährigen Person bilden, es sei denn, für diese steht ihnen ein Freibetrag nach § 32 Absatz 6 oder Kindergeld zu oder es handelt sich um ein Kind im Sinne des § 63 Absatz 1 Satz 1, das einen Dienst nach § 32 Absatz 5 Satz 1 Nummer 1 und 2 leistet oder eine Tätigkeit nach § 32 Absatz 5 Satz 1 Nummer 3 ausübt.

Um diesen Satz zu verstehen, bedarf es einer kurzen Aufklärung, wann genau die Voraussetzungen für die Anwendung des Splitting-Verfahrens vorliegen, was eine Haushaltsgemeinschaft ist und wann ein Freibetrag nach § 32 Absatz 6 EStG zusteht.

Das Splitting-Verfahren wird auch als Zusammenveranlagung bezeichnet. Wer zusammenveranlagt wird, beansprucht den sog. Splitting-Tarif. Dieser steht einem nach besagtem § 26 Abs. 1 EStG dann zu, wenn es sich um Ehegatten handelt, die unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind. Unbeschränkte Einkommensteuerpflicht liegt vor, wenn man in Deutschland lebt. Zudem müssen die Ehegatten zu irgendeinem Zeitpunkt des Jahres zusammenleben, in gleicher Wohnung gemeldet sein.

Eine Haushaltsgemeinschaft liegt vor, wenn eine andere volljährige Person im gleichen Haushalt lebt oder gemeldet ist. Es wird sodann ein gemeinsames Wirtschaften unterstellt.

Anspruch auf einen Freibetrag nach § 32 Abs. 6 EStG besteht, wenn der Steuerpflichtige ein Kind hat, was entweder unter 18 Jahre alt ist oder das Kind über 18 Jahre alt ist und sich in einer Ausbildung / einem Studium befindet, ein freiwilliges soziales Jahr macht oder sich in einer Übergangszeit von vier Monaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten befindet. Der Freibetrag nach § 32 Abs. 6 EStG steht nur dann zu, wenn das Kind noch nicht das 25. Lebensjahr vollendet hat. Hat das Kind jedoch einen Wehrdienst oder Ähnliches absolviert, verlängert sich der Anspruch auf den Freibetrag um diese Zeit. Der Freibetrag wird auch von Gesetzes wegen als Kinderfreibetrag bezeichnet und beträgt insgesamt (Rechtsstand 2017!) 3.678 Euro und verdoppelt sich auf Antrag, wenn der andere Elternteil seinen Unterhaltszahlungen nicht nachkommt.

Zusammengefasst sind Alleinerziehende:

  • Steuerpflichtige, die keinen Anspruch auf Splitting-Tarif haben
  • Steuerpflichtige, die mit keiner volljährigen Person (ausgenommen eigene Kinder mit Anspruch auf Kinderfreibetrag) zusammenleben
  • Steuerpflichtige, bei denen ein Kind gemeldet ist

 

Der Alleinerziehende hat grundsätzlich Anspruch auf einen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (§ 24b EStG) sowie Lohnsteuerklasse II (§ 38b EStG).

 

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende beträgt für das erste Kind für ein ganzes Kalenderjahr 1.908 Euro und erhöht sich bei jedem weiteren Kind um jeweils 240 Euro, § 24b Abs. 2 EStG.
Die Voraussetzungen sind, dass man alleinstehend ist und mindestens ein Kind im eigenen Hausstand unterhält. Als Kind wird berücksichtigt, für wen ein Anspruch auf Kinderfreibetrag besteht (siehe weiter oben). Wer alleinerziehend ist, ist bereits erläutert.

Liegen die Voraussetzungen für den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende für eines oder mehrere Kinder nicht das ganze Jahr vor, ermäßigt sich der Entlastungsbetrag um ein Zwölftel je vollen Kalendermonat, § 24b Abs. 4 EStG. Hat der Steuerpflichtige ein Kind, beträgt die Kürzung 159 Euro pro Monat (1908/12). Hat er zwei Kinder und das zweite Kind wird unterjährig volljährig und besteht kein Anspruch auf Kinderfreibetrag mehr (zum Beispiel aufgrund eines Vollzeitjobs), beträgt die monatliche Kürzung 20 Euro (240/12). Zieht eine volljährige erwachsene Person (keine Heirat) in den Haushalt des Alleinerziehenden hinzu und leben zwei Kinder im Haushalt, beträgt die Kürzung 179 Euro (2148/12) bzw. bei drei Kindern 199 Euro (2388/12), da eine Haushaltsgemeinschaft entsteht (siehe ebenfalls weiter oben) und damit der Status des Alleinerziehenden verloren geht.

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende wird von der Summe der Einkünfte abgezogen und ist somit elementarer Bestandteil zur Berechnung des Gesamtbetrages der Einkünfte, § 2 Abs. 3 EStG.

Zur Erläuterung, was Summe der Einkünfte und Gesamtbetrag der Einkünfte bedeutet, klicke auf mein folgendes Video:

Video: Begriffsdefinition – Summe der Einkünfte

Anzahl der KinderEntlastungsbetrag für Alleinerziehende
1 Kind1.908 Euro
2 Kinder2.148 Euro
3 Kinder2.388 Euro
4 Kinder2.628 Euro

Gehen wir von einem Entlastungsbetrag von 1.908 Euro für eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind aus und einem Steuersatz von 20 %, beträgt die Steuerersparnis fast 400 Euro!

Alles Weitere zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende kann dem folgenden BMF-Schreiben entnommen werden:

BMF-Schreiben zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

 

Lohnsteuerklasse II

Anspruch auf Lohnsteuerklasse II hat, wer Anspruch auf einen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende hat.

Die Lohnsteuerklasse II bewirkt, dass bei einem alleinerziehenden Arbeitnehmer weniger Lohnsteuer als in Lohnsteuerklasse I monatlich vom Gehalt einbehalten wird. Effektiv hat man dadurch zwar keinen monetären Vorteil, weil sich dies in der jährlichen Einkommensteuererklärung wieder ausgleicht, jedoch bleibt monatlich mehr Nettogehalt übrig.

 

Hinweis
Der Wechsel der Lohnsteuerklasse muss beim Finanzamt beantragt werden. Hierzu gibt es einheitliche Vordrucke, die simpel auszufüllen sind.

 

Fazit

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende betrug vor dem Veranlagungszeitraum 2015 einheitlich 1.308 Euro. Der Gesetzgeber ist nun wesentlich den Steuerpflichtigen entgegen gekommen. Zusammen mit der Lohnsteuerklasse II hat der alleinerziehende Steuerpflichtige nicht nur eine Steuerersparnis bei der jährlichen Einkommensteuererklärung sondern auch monatlich mehr Geld im Portemonnaie.

 

Steuern für Ratlose

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Ein Kommentar

  1. Sehr gute und hilfreiche Informationen. Es gibt ja doch einige viele Alleinerziehende. Da ist es gut zu wissen, an welchen Stellen man auch Steuern einsparen kann. Das ist ja leider vielen nicht bekannt, daher sind solche Artikel wie hier doch immer wieder eine sehr große Hilfe.

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