Steuern zahlen als Rentner? Was Du beachten musst!

Steuern zahlen als Rentner? Was Du beachten musst!

Es gilt folgende Faustregel im Einkommensteuerrecht:
Wenn Du über dem Grundfreibetrag liegst, musst Du Steuern zahlen.

Wann genau Du über dem Grundfreibetrag liegst, welche Steuerbegünstigungen für Rentner bestehen und was sonst alles absetzbar ist, erfährst Du in diesem Artikel.

 

Zunächst einmal ist der Grundfreibetrag zu betrachten. Der Grundfreibetrag ist im Einkommensteuergesetz geregelt und gibt (vereinfacht ausgedrückt) an, ab welcher Summe Steuerzahlungen anfallen. Aktuell für den Veranlagungszeitraum 2018 beträgt der Grundfreibetrag 9.000 Euro pro Person. Der Grundfreibetrag wird grundsätzlich jahresweise erhöht. Er verdoppelt sich bei Ehepaaren, da es sich sodann um zwei Personen handelt.

Übersteigt die Jahresbruttorente den Grundfreibetrag, ist eine Steuererklärung abzugeben. Übersteigt die Jahresbruttorente nicht den Grundfreibetrag aber es liegen andere Einkünfte vor, sodass die Summe der Einkünfte, den Grundfreibetrag überschreitet, ist ebenfalls eine Steuererklärung abzugeben.

Ungeachtet dessen ist eine Steuererklärung auch abzugeben, wenn das Finanzamt dazu auffordert. Kommt man dieser Aufforderung nicht nach, drohen Verspätungszuschläge, Zwangsgelder und womöglich auch (steuer-)strafrechtliches Gemach aufgrund einer möglichen Steuerhinterziehung.

Nachfolgend eine Übersicht über die Entwicklung des Grundfreibetrages in den letzten Jahren:

JahrGrundfreibetrag
20128.004 Euro
(16.008 Euro)
20138.130 Euro
(16.260 Euro)
20148.354 Euro
(16.708 Euro)
20158.472 Euro
(16.944 Euro)
20168.652 Euro
(17.304 Euro)
20178.820 Euro
(17.640 Euro)
20189.000 Euro
(18.000 Euro)

Weiteres zum Grundfreibetrag erfährst Du in meinem Video:

Seit dem 01. Januar 2005 ist das Alterseinkünftegesetz in Kraft. Demnach gilt bei Renten, die aus der gesetzlichen Rentenversicherung gewährt werden, die nachgelagerte Besteuerung (auch Rentensteuer).
Das Gesetz sieht vor, dass momentan nur ein Teil der Rente versteuert werden muss. Die Rente wird also in einen steuerpflichtigen und einen steuerfreien Teil separiert.

Wie viel Rente Du als Rentner tatsächlich versteuern musst, hängt vom Jahr Deines Renteneintritts ab. Bis einschließlich 2005 sind 50 % zu versteuern. Dieser prozentuale steuerpflichtige Anteil erhöht sich bis 2020 um jeweils zwei Prozentpunkte pro Jahr. Ab 2020 erfolgt eine Erhöhung jährlich um einen Prozentpunkt. Schließlich müssen Rentner ab 2040 insgesamt 100 % ihrer Rente versteuern, es sei denn, die Gesetzeslage ändert sich.

Jahr des RentenbeginnsSteuerpflichtiger TeilSteuerfreier Teil
bis 200550 %50 %
200652 %48 %
200754 %46 %
200856 %44 %
201060 %40 %
201570 %30 %
2016 72 %28 %
201774 %26 %
201876 %24 %
202080 %20 %
202181 %19 %
203090 %10 %
2040100 %0 %

Der steuerfreie Anteil wird im Jahr des Renteneintritts festgestellt. Der Anteil ist der für Folgejahre maßgebliche Rentenfreibetrag. Der Rentenfreibetrag bleibt der Höhe nach gleich, obwohl die Rente sich verändert.

Beispiel 1:

Der Rentner R hat im Jahre 2003 das Rentenalter erreicht. Im Jahre 2018 beträgt seine Jahresbruttorente 30.000 Euro.

Die Jahresbruttorente liegt zweifelsfrei über dem Grundfreibetrag für 2018 in Höhe von 9.000 Euro. Es müssen jedoch nicht 30.000 Euro versteuert werden, sondern 15.000 Euro, da der steuerpflichtige Teil der Rente hier aufgrund des Renteneintritts 50 % beträgt.
(Rentenanpassungsbeiträge und mögliche abzugsfähige Kosten sind unberücksichtigt)

 

Beispiel 2:

Der Rentner R hat im Jahre 2003 das Rentenalter erreicht. Im Jahre 2018 beträgt seine Jahresbruttorente 30.000 Euro. Seine Ehefrau ist Hausfrau und erzielt keine Einkünfte.

Der Grundfreibetrag verdoppelt sich nun auf 18.000 Euro. Der steuerpflichtige Teil der Rente (siehe Beispiel 1) liegt nun unter dem Grundfreibetrag. Eine Steuererklärung führt zu keiner Steuernachzahlung.

 

Jährliche Rentenanpassungen

Die gesetzliche Rente wird jährlich zum 01. Juli angepasst. Nun kann es passieren, dass die Jahresbruttorente und auch der steuerpflichtige Anteil der Rente den Grundfreibetrag erhöht.

Was ist zu tun? Der Rentner muss nun eine Steuererklärung abgeben. Da die Rente anders als ein regelmäßiger Bruttoarbeitslohn nicht monatlich mit Lohnsteuer besteuert wird, erfolgt im Rahmen der Einkommensteuererklärung erstmals eine Besteuerung der Rente und es kommt regelmäßig zu einer Steuernachzahlung.

 

Was der Rentner von der Steuer absetzen kann

Um weniger bzw. keine Steuern zahlen zu müssen, können Rentner einiges von der Steuer absetzen und so möglicherweise unter den Grundfreibetrag kommen.

Außergewöhnliche Belastungen

Außergewöhnliche Belastungen sind besondere Aufwendungen, die dem Großteil der Bevölkerung nicht oder zumindest nicht der Höhe nach anfallen. Hierzu zählen Krankheitskosten, Heimkosten, Unterhaltskosten, Zahnersatzbehandlungen etc.

Es ist jedoch zu beachten, dass die angefallenen Kosten die sog. zumutbare Eigenbelastung übersteigen müssen. Diese sind ein prozentualer Anteil des gesamten Einkommens.

 

Sonderausgaben

Sonderausgaben sind Aufwendungen, die per Definition keine Betriebsausgaben, Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen sind. Das Einkommensteuergesetz führt in den §§ 10 – 10c EStG einige Tatbestände auf wie z. B. Versicherungen, Kirchensteuer oder Spenden.

Beachte: Unter Umständen wird immerhin ein Sonderausgaben-Pauschbetrag in Höhe von 36 Euro pro Person gewährt.

 

Behinderten-Pauschbeträge

Ein ausgewiesener Grad der Behinderung gewährt dem Rentner die Beanspruchung von sog. Behinderten-Pauschbeträge. Diese liegen zwischen 310 und 1.420 Euro und werden ab einem Grad der Behinderung von 25 % gewährt. Durch die Inanspruchnahme eines Behinderten-Pauschbetrages sind jedoch alle durch die Behinderung entstehenden Kosten, die grundsätzlich als außergewöhnliche Belastung absetzbar wären, abgegolten.

Für ständig hilflose Rentner erhöht sich der Betrag auf 3.700 Euro.

 

Altersentlastungsbetrag

Mit Vollendung des 64. Lebensjahres gewährt der Gesetzgeber unter Umständen einen Altersentlastungsbetrag. Dieser Betrag wird prozentual am Einkommen gemessen und hängt zum einen davon ab, wann das 64. Lebensjahr vollendet wurde und welche weiteren Einkünfte (z. B. aus Vermietung und Verpachtung) erzielt wurden. Der Altersentlastungsbetrag ist in Abhängigkeit des auf das Jahr der Vollendung des 64. Lebensjahr folgende Kalenderjahr jährlich auf einen Höchstbetrag gedeckelt. Ist das folgende Jahr das Jahr 2005, so beträgt der Höchstbetrag 1.900 (maximal 40,0 %); im Jahre 2018 beträgt der Höchstbetrag 912 Euro (maximal 19,2 %).

 

Haushaltsnahe Dienstleistungen / Handwerkerrechnungen

Sie leben in einer Wohnung und erhalten regelmäßig eine Nebenkostenabrechnung? Sie haben ein Haus aber hin und wieder geht etwas kaputt und der Handwerker muss kommen?

Steuerlich absetzbar! Eine ganze Reihe von Aufwendungen im und außerhalb des Haushaltes sind derart absetzbar, dass in Rechnung gestellter Lohnaufwand zu 20 % direkt von der Steuer abgezogen werden kann. Zu solchen Aufwendungen zählen u. A. der Schornsteinfeger, der Sanitär oder auch die Reinigungsfachkraft.

Voraussetzung: Die Rechnung darf nicht bar gezahlt worden sein (Schwarzgeldbekämpfung!)

Eine vollständige Aufzählung über die steuerlich abzugsfähigen Aufwendungen findest Du hier:

BMF-Schreiben Haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerrechnungen

 

Weitere Einzelfragen zur Besteuerung von Renten:

Sind auch andere (private) Renten zu versteuern?

Grundsätzlich sind auch private Renten zu versteuern. Der steuerpflichtige Teil ist hier zumeist der Ertragsanteil, der prozentual ermittelt wird und geringer ausfällt je älter man bei Rentenbeginn ist. So beträgt dieser Anteil für einen 50 Jahre alten Rentner 30 % und für einen 65 Jahre alten Rentner 18 %. Die abzugsfähigen Kosten und die Besteuerung funktioniert konträr zu der gesetzlichen Rente.

Fallen auch Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer an?

Es fallen auch Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer auf den Nachzahlungsbetrag an. Natürlich entfällt die Kirchensteuer, wenn Du nicht in der Kirche bist.

Muss ich Minijobs (450-Euro-Jobs) auch angeben?

Minijobs werden regelmäßig pauschal mit 2 % Lohnsteuer vom Arbeitgeber versteuert. Damit sind diese nicht in der Einkommensteuererklärung anzugeben.

Jahresbruttorente unter Grundfreibetrag aber Kapitalertragsteuer?

Wenn Du nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet bist, dennoch eine erstellst, um Kapitalertragsteuer, die Du unterjährig zahlen musstest, zurückzuholen, kannst Du einen Antrag auf Nichtveranlagung stellen. Die Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung), die Du vom Finanzamt erhältst, musst Du dann Deinen Banken vorlegen.

 

Fazit

Sobald der steuerpflichtige Teil der Jahresbruttorente den Grundfreibetrag übersteigt, kommt man nicht um eine Steuererklärung als Rentner rum. Unter Umständen jedoch können gewisse Kosten (Krankheitskosten, Altersentlastungsbetrag etc.) in Abzug gebracht werden, sodass letztlich keine Nachzahlung entsteht oder sich die Zahllast wesentlich schmälert.

Wenn Du feststellst, dass Du eine Steuererklärung abgeben musst, ist die Hinzuziehung eines Steuerberaters sicherlich legitim.

 

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